Entscheidungskriterien bei Grünen Vorwahlen

Nichts genaues weiß ich nicht, denn alle Beteiligten geben sich lieber kryptisch. Wer wird nun aufgenommen als grüner Unterstützer, wer nicht, warum der eine, aber die andere nicht, wer kämpft dabei gegen wen, der gar nichts damit zu tun hat, wer spricht wen an, meint aber einen anderen.

Politik kann fürchterlich kompliziert sein.

Hier nun eine einfache Anleitung zur Behandlung von Unterstützeranträgen. Und so wird mit Hilfe eines Pendels (in jedem Baumarkt erhältlich) entschieden:

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Mein schönster Tag

Wir waren sehr aufgeregt. Es war 9:00 Uhr früh und wir hatten uns in der Zentrale der grünen Landesorganisation Wien eingefunden, um als grüne Unterstützer aufgenommen zu werden. Etwa 100 MenschInnen stand die Aufregung ins Gesicht geschrieben, als wir in einen großen Raum geführt wurden, um mit dem schriftlichen Teil der Aufnahmeprüfung zu beginnen.

Die erste Frage war leicht zu beantworten. „Schon mal was gendergerechter Sprache gehört?“ Das fehlende „von“ war war wahrscheinlich Absicht, um es uns ein wenig schwerer zu machen, aber das „Ja, habe ich“ war trotzdem schnell hingeschrieben. Triumphierend sah ich in die Runde der Prüflinge. Manchen standen Schweißtropfen auf der Stirne.

Nicht zu unrecht. Denn etwas schwieriger wurde es bei der Frage „Wisst ihr, dass die Grundwerte der Grünen selbstbestimmt, feministisch, gewaltfrei, basisdemokratisch, ökologisch und solidarisch sind?“. Ich war nicht sicher, ob da nicht noch ein Begriff fehlte, entschied mich aber zur Antwort: „Ja, weiß ich natürlich“.

„Teilt ihr diese Grundwerte. wenn ja, wie und wodurch?“ Jetzt war Nachdenken angesagt, ein Fehler konnte schnell den Tag verderben, aber entschlossen schrieb ich: „Ja, eh klar. Mit großem Einsatz, und durch 6. Dann bleibt bei 6 Grundwerten nämlich kein Rest.“

Nach dem schriftlichen Teil wurden wir in einen anderen Raum geführt, in dem Unmengen an Computern standen. Die Aufgabe war folgende:

„Mobilisiere in deinem kreis gegen den heute abend geplanten neonazi-aufmarsch. wenn du es mit deinen mitteln zusammenbringst, dass eine breite, nachvollziehbare Öffentlichkeit davon erfährt, dann bist du einem grünen unterstützerstatus viel näher als jetzt.“

Jetzt wurde es grausam. Viele KandidatInnen beschwerten sich, dass sie damit nicht gerechnet hätten, und das Zugangspasswort zu Twitter, Facebook und dem eigenen Blog nicht auswendig wüßten. Damit waren die Reihen schnell gelichtet. Ich telefonierte rasant meine Kontakte durch, die in meinem Handy gespeichert waren. „Keine Fragen stellen jetzt, aber heute Aufmarsch Neo-Nazis, hast Du es verstanden, bitte wiederholen, danke, ich erkläre es morgen.“ Gut dass auch der eine oder andere journalistische Kontakt in meinem Handy gespeichert war.

Zuletzt der handwerkliche Teil der Aufnahmsprüfung. Aus einem Blatt Papier, einem Gummiring, einem Strohhalm und einem bereits gekauten Kaugummi musste ein grünes Werbemittel zusammengebaut werden, dafür hatten wir nur etwa 5 Minuten Zeit. Als erfahrener MacGyver-Seher war ich schon 30 Sekunden vor Ablauf der Zeit damit fertig.

Dann hieß es warten. Kurz vor 20:00 Uhr wurden die Ergebnisse durchgegeben. Schließlich wurde vom Landesgeschäftsführer persönlich jeder einzelne Name aufgerufen. Wie glücklich war ich, als ich nach meinem Namen hörte: „Bestanden! Hole Dir das Zertifikat beim Ausgang ab. Und jetzt raus hier!“ Wir Aufgenommenen fielen uns glücklich um den Hals. Nur das laute Weinen der abgelehnten  KandidatInnen störte ein wenig die Atmosphäre. Aber selber schuld, hätten sie halt mehr gelernt. Dafür dürfen sie jedenfalls auch ohne weitere Tests die Grünen in Wien wählen. Ist das nicht schön?

„Schema Heute“

Ein etwas alberner Chefredakteur eines etwas albernen SchmierGratisblatts verkleidet sich diesmal nicht als Witzfigur, sondern als Kommentator und schreibt: Ein etwas alberner Wiener verkleidet sich diesmal nicht als Hitler, sondern als Regisseur. Er will, dass in seinem Stück Menschen über das Leid der Opfer im Fall F. (Anm.: Name gekürzt, im Blatt allerdings ausgeschrieben) lachen. Er erhält dazu noch 150.000 € Steuergeld.

Später ist im Gratisblatt dann noch zu lesen, dass die Polizei den Regisseur schützen muss, er habe Morddrohungen erhalten. Natürlich werde auch das mit Steuergeldern bezahlt. Konsequent schreibt das Blatt auch weiter davon, dass der Regisseur das Inzestdrama von Amstetten als „lustige“ Aufführung auf die Bühne bringen wolle.

Nun ist es aber so dass dem Regisseur der Gedanke, sich über die Opfer lustig zu machen, weit entfernt ist. Ins Gespräch bringen will er aber den brutalen Voyeurismus von Gratisblättern wie dem vorliegenden, was ihm schon lange vor der Erstaufführung trefflich gelungen ist. Eine Medieninszenierung erster Klasse, die geifernde Boulevardmeute springt auf Knopfdruck an.

So etwas darf natürlich nicht passieren, da seien die Dichands und Schmitts dieser Welt vor. Der Chefredakteur will, dass in seinem Blatt Menschen sich über die Idee des Regisseurs echauffieren. Dass dabei die eine oder andere Morddrohung herauskommt, das hat sich der Regisseur bitte selbst zuzuschreiben. Man legt sich einfach nicht mit einem Gratisblatt mit so guten Verbindungen zur Verwaltung der Stadt Wien an.

Apropos Steuergelder: wie funktioniert eigentlich die Presseförderung für „Heute“? Wohin geht das Geld für die Werbefläche, die mithilfe der „Heute“-Container derzeit einem Glücksspielanbieter im öffentlichen Raum verkauft wird? Werden dadurch Fahrschein billiger? Wie kommt es zu dieser unglaublichen Menge an WienWohnen-Jubelseiten in „Heute“?

Und wie schreibt eine Leserbriefschreiberin in der selben Ausgabe? Die Botschaft von Obama, auch für uns Europäer: offen zueinander sein, sich ohne Vorurteile die Hand reichen. Einander zuhören, gegenseitig mit Respekt begegnen.

Ach hätte sich das der etwas alberne Chefredakteur doch auch durchgelesen. Vielleicht würde er dann einmal in sich gehen, bevor er Hetzerei betreibt in Hinblick auf viele zustimmende Leserstimmen.

Aber eher wird Obama da noch die Herzen von Finanzhaien und Al Kaida-Funktionären erreichen. Ich bin mir sicher.

Willkommen 2009

Willkommen, neues Jahr, Du wirst uns viel Gutes bringen:

  • Eine Jörg Haider Gedenkstätte anstelle des öden Lindwurms in Klagenfurt.
  • Ein Asylantenheim auf der Spitze des Großglockners.
  • Eine Jörg Haider Gedenkstätte anstelle der öden Karlskirche in Wien.
  • Veröffentlichung neuer Gesetze gleich auf der ersten Seite der Kronenzeitung.
  • Ein Pflichtabonnement rechtsradikaler Zeitschriften für alle Parlaments- und Ministeriumsmitarbeiter.
  • Eine Jörg Haider Gedenkstätte anstelle des öden Stephansdoms in Wien.
  • Implantierte GPS-Chips für alle EU-Bürger. Wer nichts verbrochen hat, der hat eh nichts zu befürchten.
  • Eine Jörg Haider Gedenkstätte anstelle des öden Eifelturms in Paris.
  • Freie Fahrt für freie Bürger auf allen Straßen mit frei wählbarem Tempo.
  • Eine Jörg Haider Gedenkstätte anstelle der öden Pyramiden in Ägypten.

Das wird schön.

Lieber Herr Bundeskanzler,

irgendwie bewundernswert zu sehen, wie Sie seit Jahren die Linien klar vorgeben, sich nicht beirren lassen von diversen Stimmen aus dem Bereich des Qualitätsjournlismus und der politischen Kommentatoren. Und das noch dazu völlig unbeeinflußt von irgendwelchen Wahlausgängen.

Aber auf der anderen seiten wollen die Österreicher keine italienischen Verhältnisse. Darum geben Sie doch bitte die Eigentümerschaft an der Kronenzeitung zurück, Herr Dichand, und konzentrieren Sie sich voll auf die Regierungstätigkeit. Ihre Schattenpolitiker am Ballhausplatz und in den Ministerien werden es Ihnen zu danken wissen.

Ich bin ein Dillo

Es gibt ein paar Varianten um der Öffentlichkeit bekanntzugeben, dass man ein gesichert echter Dillo ist:

  • Österreichfahne schon Tage vor der EURO 2008 ans Auto heften
  • Zeug von Dolce & Gabbana tragen
  • Sich über Klimawandel aufregen, aber schon 100 Meter mit dem Auto fahren
  • Einen Porsche Cayenne fahren
  • Ãœberhaupt einen SUV fahren
  • Kurz vor dem Betreten der Tram noch einen vollen Lungenzug nehmen, und dann in den Waggon ausblasen

Für’s Erste ….

Erziehungsinstitut Wr. Linien

Wer gedacht hätte, dass ein öffentliches Transportunternehmen in erster Linie für den Transport von Fahrgästen zuständig ist, wird in Wien eines Besseren belehrt. Belehrt im wahrsten Sinne des Wortes. Speziell die Nutzer von U-Bahnen werden in Minutenabständen über gutes Benehmen aufgeklärt:

  • der organisierten Bettelei sei kein Vorschub zu leisten
  • man habe alle Waggoneingänge zu benutzen
  • die aufgeklebten Markierungen seien freizuhalten

Dazu kommen noch Belehrungen über das Betreten von bereits abgefertigten Zügen, die in ihrer Diktion schon etwas an polizeistaatliche Bürgerbefehle erinnern („… durch Ihr vorbildliches Verhalten …“, „… „Ihr aktives Bemühen“ …“)

Besonders aggressionsfördernd wirkt die Ansage „Bitte lassen Sie Ihre Zeitung nicht im U-Bahn-Zug zurück.“, da diese Durchsage von einer Kinderstimme stammt, die in ihrer Penetranz kaum mehr zu überbieten ist.

Gerüchtweise arbeiten die „Erziehungslinien“ bereits an weiteren Durchsagen:

  • „Vor dem Essen immer die Hände waschen“
  • „Verzichten Sie auf ungeschützten Sex“
  • „Nach dem Verlassen öffentlicher Verkehrsmittel haben die Fahrgäste ein Loblied auf die Wr. Linien anzustimmen.“

Weitere Vorschläge

Blau und Orange versuchen sich ja seit einigen Tagen in hetzerischen Tönen zu übertreffen. Geht es um den Islam, so brüllen die Rechtsparteien ungeachtet der verfassungsmäßigen Religionsfreiheit diese Forderungen hinaus:

  • Verzicht auf den Bau von Minaretten
  • Verbotsgesetz für religiösen und politischen Fanatismus (damit sollen aber weder FPÖ noch BZÖ gemeint sein, zu früh gefreut)

Da fehlt ja noch einiges, denke ich, und schlage weitere Forderungen vor:

  • Knien auf Teppichen verbieten
  • Halbmond verbieten (Mond darf nur mehr entweder neu oder voll sein)
  • Das Wort „allein“ darf nicht mehr in wienerischem Dialekt, sondern nur mehr hochdeutsch ausgesprochen werden (klingt sonst nach „Allah“)

Falls Sie sowas mal später aus den Medien erfahren: hier stand’s zuerst.