Jako stürzt in die Katastrophe

Ein Blogger beklagt auf www.trainer-baade.de das neue Logo des deutschen Sportartikelherstellers Jako. Dabei fällt das Wort „Scheiße“. Wenige Menschen (400? 500?) lesen das. Mehr passiert vorerst nicht.

Aber was passiert dann. Jako sendet ein Abmahnschreiben, will etwas mehr als 1.000 Euro. Baade entfernt den Artikel, zahlt nach Verhandlungen 400,-

Einer Anwältin von Jako fällt Wochen später auf, dass der bis dato völlig unbekannte Nachrichtenaggregator Newstin einen Auszug des Artikels noch gespeichert hat. Baade erhält wieder ein Schreiben der Anwälte, jetzt geht es um mehr als 5.000 Euro.

Der Autor eines vielgelesenen Sport Blogs („Alles außer Sport“) erfährt davon, und schreibt darüber. Jetzt beginnt die Viral Marketing Lawine zu rollen. Und zwar eine, die man sich bei Jako wohl nicht gewünscht hat. Mittlerweile Millionen Menschen erfahren davon, geben diese Nachrichten weiter. Boykott-Aufrufe gegen Jako gehen durch Deutschland. Blogger erklären öffentlich, nichts mehr von Jako zu kaufen. Aber das Unternehmen schweigt noch immer. Bietet nur dem Blogger an, auf die Forderungen zu verzichten. Denn es tritt plötzlich ein Umsatzproblem auf. Die Kunden beginnen nun auch über die Qualität der Jako-Produkte zu diskutieren. Übrigens stattet Jako ab nun fünf Jahre lang den österreichischen Fußballclub Sturm Graz aus. Das nur als Nebenbemerkung.

Ich finde den ganzen Ablauf der Baade-Jako Story ja großartig. Dank einer neuartigen Öffentlichkeit, einerÖffentlichkeit, die es bisher so nicht gab, müssen sich Firmen wie Jako gut überlegen, was sie tun, wie sie vorgehen. Der ganz kleine Kunde kann sich plötzlich  als ebenbürtiger Gegner zeigen. Und Anwälte müssen lernen, dass angstmachende Schreiben ein Schuß ins eigene Knie sein können. Der Praxis-Fall sollte im Jus-Studium zur Pflichtstudie werden.

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