Mail an die Wiener Linien

Sehr geehrte Wr. Linien,

schon seit Wochen oder Monaten nervt Ihr Durchsagen-Terror gewaltig, jetzt wird auch noch die Lautstärke der penetranten Durchsagen bis ans Maximum (?) angehoben. Schlimm genug, dass täglich eine obergescheite Kinderstimme auf die Nerven geht, dass wir Fahrgäste schon fast im Minutentakt belehrt und bevormundet werden (die Diktion der Texte erinnert an Orwells “1984″), es geschieht nun auch mit einer Lautstärke, die weit weg von gut und böse ist.

Jede Fahrt mit der Vorortelinie ist da eine echte Erholung. Die unaufdringliche Stimme von Chris Lohner bittet in einem normalen Satz, der sogar noch viel länger dauert als der unsympathische Kindersatz, in einer normalen Lautsärke darum, die Züge reinzuhalten. Absolut aushaltbar. In der U-Bahn wird uns dagegen in die Ohren gebrüllt, dass die Scheiben zittern (und zwar im buchstäblichen Sinn), dass sogar die Stimme verzerrt klingt, weil der Lautsprecher die enorme Lautstärke nicht mehr rein wiedergeben kann. Da wächst die Lust, sämtliche Zeitungen auf dem Boden zu verstreuen.

Die Wiener Linien sind das einzige Unternehmen, das ich kenne, das seine Kunden laufend belehrt und dabei auch noch anbrüllt. Es hat für mich mittlerweile schon das schlechteste Image aller österreichischen Unternehmen, meine Lust mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Wr. Linien zu fahren ist gleich Null. Seit einigen Tagen stecke ich mir vor jeder U-Bahn-Fahrt Ohropax in die Ohren, aber die senken leider nur um 30 dB ab, und das ist in diesem Fall (speziell U2 und U4) bei weitem zu wenig.

Bevor ich daher wieder regelmäßig mit mobilem MP3-Player und voller Lautstärke in den Kopfhörern in der U-Bahn fahre, mag ich mag Sie jetzt nicht mehr darum bitten, sondern fordere es (schließlich bin ich seit Jahren Jahresnetzkartenbesitzer): Sorgen Sie dafür, dass die Durchsagelautstärke erheblich abgesenkt wird und auch bleibt!

Seien Sie daran erinnert, dass in Ihren eigenen Beförderungsbedingungen im Punkt N. u.a. folgendes steht:

1. g) Den Fahrgästen ist verboten, in den Anlagen und Fahrzeugen zu lärmen, zu musizieren und lärmerzeugende
Geräte zu betreiben.
1. i) In den Anlagen und Fahrzeugen sind den Fahrgästen alle Handlungen und Tätigkeiten verboten, die andere
Personen belästigen [...] könnten.

Und was sagt Ihr Mission Statement? “Ein hohes Leistungsniveau, optimales Service, günstige Tarife und nicht zuletzt unser Bekenntnis zu sozialer und ökologischer Verantwortung sind dabei die Zutaten unseres Erfolgsrezeptes.”

Ich fühle mich durch Inhalt, Darbringung und Lautstärke Ihrer Durchsagen erheblich belästigt. Von sozialer Verantwortung kann ich nichts erkennen, wenn Sie Ihre Kunden als Feinde behandeln.

Diese Mail wurde eben an den Kundendienst der Wr. Linien (und CC an den Fahrgastbeirat) gesendet. Die Reaktion darauf hier.

Metallica in Wien

Konzert im Rahmen der “Sick of the Studio Tour 07″, Rotundenplatz.

Wenn ich die Kritik in einem Wort zusammenfassen müsste? Muss das sein? Na gut: “Atemberaubend”.

Auch wenn sich einige Warum’s ins Blickfeld schieben, so wie die großgewachsene Männer, die unbedingt vor einem stehen müssen. Aber wenn ich mich umdrehe, dann sehe ich ja auch, dass der hinter mir einen Kopf kleiner ist, und mich wahrscheinlich schon die ganze Zeit furchtbar lieb hat.

Aber erst mal die Warum’s an den Veranstalter:

  • Warum wird der Müll bei den Eingängen während des Konzerts nicht weggeräumt, sodass man beim Rausgehen im Finstern nicht unbedingt zwischen Bergen an Flaschen nach festem Boden tasten muss?
  • Warum wird vor dem Auftritt alles getestet und durchgecheckt, aber nicht die Videowall? Das hätte wohl einige eplileptische Anfälle erspart, ausgelöst durch psychedelische Flackerbilder, die immerhin eine Viertelstunde lang zugemutet wurden.
  • Warum will man unbedingt eine massiv querformatige Bühne ausgerechnet auf hochformatigen Schirmen abbilden? Es hat einen Grund, warum auch Fernseher nicht im Hochformat erfunden wurden.

Aber genug des Herummoserns. Metallica hat sich jedenfalls in den zweieinhalb Stunden verausgabt, eine einzigartige Best-Of Show geliefert.

“Enter Sandman”, “One”, “Master of Puppets”, “Nothing Else Matters”, “Wherever I May Roam” und am Ende der Show im zweiten Zugabenblock ein fabelhaftes “Seek & Destroy”. Wien hat die Schwermetaller in bester Laune erlebt. Rob Trujillo zeigte in einem beeindruckenden Bass-Solo, dass Marcus Miller oder Victor Wooten nicht die einzigen Zuständigen für schnelle Slappings sind.

Woran man sich als Konzertbesucher langsam gewöhnen muss, ist die allgemeine Gadget-Präsentation. Kaum eine Hand, die nicht irgendwann einmal eine Digitalkamera oder ein Handy mit Kamera hochhält für das Erinnerungsfoto. Enkelkinder und so, Sie wissen schon.

Weil’s allen so viel Spaß gemacht hat, hat uns der liebe Onkel Lars ein baldiges Wiederkommen versprochen. “I think today we had our best gig here in Vienna, right?” Okay, ich hab’ die letzten drei Auftritte in Wien nicht gesehen, aber stimmt, die können schwerlich besser gewesen sein.

 

"Was Ihr Wollt"

Die Shakespeare-Festspiele auf der Rosenburg bringen heuer “Was Ihr Wollt”, eine Lehrstunde von William Shakespeare darüber, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern vielleicht gar nicht so groß ist.

Schon blöd, wenn als Frau in Männerkleider schlüpfen muss, um einen sinnvollen Job zu finden. Noch blöder, wenn man sich dann ausgerechnet in den eigenen Chef verliebt, der sich ob der eigenen verwirrten Gefühle zu fragen beginnt, ob er noch am richtigen Ufer steht. Ganz blöd, wenn dann auch noch der eigene Zwillingsbruder in Erscheinung tritt, und das Geplänkel unbeabsichtigt stört. Aber der Boss ist ja sowieso in eine andere verliebt, die sich allerdings den Männern aus Trauer um ihren verstorbenen Bruder verweigert. Und superblöd, wenn sich diese Frau nun ausgerechnet in die verkleidete Frau verliebt, weil dieser “Mann” endlich einer ist, der Frauen versteht.

Blicken Sie noch durch? Macht nichts, denn was das junge Team auf der Rundbühne hinlegt, darüber kann man in jedem Fall herzlich lachen. Großartig die Leistung von Markus Mössmer, der eine Frau (Olivia) spielt, die einen Mann (Cesario) spielt. Bravourös auch Robert Herzl, der dank der Maske von Renate Harter und den Kostümen von Angelika Klose wohl eine der schönsten Frauen auf den heurigen Sommertheater-Bühnen darstellt. Aber der Abend gehört vermutlich Christian Strasser als Ekelbold Malvolio, der schließlich auf die dümmsten Ratschläge hört, um Olivia, die Frau seiner Träume für sich zu gewinnen. Und sich dabei zum Kasperl macht, aber welche ganz schlimmen Erniedrigungen nehmen verliebte Männer nicht auf sich auf?

Das amüsierte Publikum, darunter Erich Pröll, Alois Mock, Madeleine Petrovic, Barbara Rett, Chris Lohner und Christian Kolonovits, spendete bei der Premiere den verdienten andauernden Applaus.

Rapid und die Greenies


Also man kann ja über Rapid sagen was man will. Aber was die für die jungen Fans tun, ist schon sensationell. Am “Greenietag” konnten die Kinder (Mitglieder des Greenie-Klubs) mit einigen Spielern der Kampfmannschaft am Feld zusammentreffen, und am Ende gab es eine Autogrammstunde, bei der die vollzählige Mannschaft inklusiver aller Trainer sich mit Autogrammen auf Karten, Leiberl und Kapperl die Seele aus dem Leib schrieb. Tolle Leistung, alle Achtung. Für meinen Sohn war das wieder mal “der schönste Tag meines Lebens”.

Da kann ich als Austrianer nur seufzen.

Die Polizei bei der Arbeit

Situation 1

Wien 2006, eine Wohnung in Favoriten. 3 Uhr in der Nacht.

Eine Sondereinheit bricht die Tür ein, erobert die Wohnung mit gezückten Waffen. In der Wohnung soll sich ein dunkelhäutiger Ausländer befinden, der nicht über eine Aufenthaltsgenehmigung verfügt.

Sie reissen den Mann aus dem Schlaf, drehen seine Arme auf den Rücken, und führen ihn in gebeugter Haltung in den Polizeiwagen.

Situation 2

Wohnung in Strasshof. Ein Tag im Jahr 1998, 15 Uhr.

Polizist klingelt an der Eingangstür, der Inhaber der Wohnung öffnet.

Polizist: “Grüß Gott. Wir suchen den Entführer eines 10-jährigen Mädchens. Er soll die Kleine mit einem weissen Kastenwagen, wie Sie einen besitzen, entführt haben. Kurze Frage: Waren Sie das vielleicht?”

Wolfgang P.: “Nein, sicher nicht. Ich brauche den Wagen nur für das Führen von Baumaterialien. Ich baue gerade meine Garage um.”

Polizist: “Ach so, danke. Dann noch gutes Gelingen. Auf Wiedersehen.”

Wolfgang P. schließt die Tür.