Fundamentalisten nerven

Egal, ob Religion eiskalt zu eigenen Zwecken ausgenutzt wird, oder ob die eigene Religion für so überlegen befunden wird, dass Anhänger anderer Religionen oder Religionsabzweigungen durchaus auch umgebracht werden dürfen.

Mir gehen Religionen mit ihren absolutistischen Ansprüchen ungeheuer auf die Nerven.

Noch schlimmer, wenn einer nur vorgibt als Religiöser aufzutreten, damit er leichter Menschen gegeneinander aufhetzen kann.

Können wir Gott bitte ein für allemal sterben lassen? Und uns auf das Leben konzentrieren?

Mein schönster Tag

Wir waren sehr aufgeregt. Es war 9:00 Uhr früh und wir hatten uns in der Zentrale der grünen Landesorganisation Wien eingefunden, um als grüne Unterstützer aufgenommen zu werden. Etwa 100 MenschInnen stand die Aufregung ins Gesicht geschrieben, als wir in einen großen Raum geführt wurden, um mit dem schriftlichen Teil der Aufnahmeprüfung zu beginnen.

Die erste Frage war leicht zu beantworten. “Schon mal was gendergerechter Sprache gehört?” Das fehlende “von” war war wahrscheinlich Absicht, um es uns ein wenig schwerer zu machen, aber das “Ja, habe ich” war trotzdem schnell hingeschrieben. Triumphierend sah ich in die Runde der Prüflinge. Manchen standen Schweißtropfen auf der Stirne.

Nicht zu unrecht. Denn etwas schwieriger wurde es bei der Frage “Wisst ihr, dass die Grundwerte der Grünen selbstbestimmt, feministisch, gewaltfrei, basisdemokratisch, ökologisch und solidarisch sind?”. Ich war nicht sicher, ob da nicht noch ein Begriff fehlte, entschied mich aber zur Antwort: “Ja, weiß ich natürlich”.

“Teilt ihr diese Grundwerte. wenn ja, wie und wodurch?” Jetzt war Nachdenken angesagt, ein Fehler konnte schnell den Tag verderben, aber entschlossen schrieb ich: “Ja, eh klar. Mit großem Einsatz, und durch 6. Dann bleibt bei 6 Grundwerten nämlich kein Rest.”

Nach dem schriftlichen Teil wurden wir in einen anderen Raum geführt, in dem Unmengen an Computern standen. Die Aufgabe war folgende:

“Mobilisiere in deinem kreis gegen den heute abend geplanten neonazi-aufmarsch. wenn du es mit deinen mitteln zusammenbringst, dass eine breite, nachvollziehbare Öffentlichkeit davon erfährt, dann bist du einem grünen unterstützerstatus viel näher als jetzt.”

Jetzt wurde es grausam. Viele KandidatInnen beschwerten sich, dass sie damit nicht gerechnet hätten, und das Zugangspasswort zu Twitter, Facebook und dem eigenen Blog nicht auswendig wüßten. Damit waren die Reihen schnell gelichtet. Ich telefonierte rasant meine Kontakte durch, die in meinem Handy gespeichert waren. “Keine Fragen stellen jetzt, aber heute Aufmarsch Neo-Nazis, hast Du es verstanden, bitte wiederholen, danke, ich erkläre es morgen.” Gut dass auch der eine oder andere journalistische Kontakt in meinem Handy gespeichert war.

Zuletzt der handwerkliche Teil der Aufnahmsprüfung. Aus einem Blatt Papier, einem Gummiring, einem Strohhalm und einem bereits gekauten Kaugummi musste ein grünes Werbemittel zusammengebaut werden, dafür hatten wir nur etwa 5 Minuten Zeit. Als erfahrener MacGyver-Seher war ich schon 30 Sekunden vor Ablauf der Zeit damit fertig.

Dann hieß es warten. Kurz vor 20:00 Uhr wurden die Ergebnisse durchgegeben. Schließlich wurde vom Landesgeschäftsführer persönlich jeder einzelne Name aufgerufen. Wie glücklich war ich, als ich nach meinem Namen hörte: “Bestanden! Hole Dir das Zertifikat beim Ausgang ab. Und jetzt raus hier!” Wir Aufgenommenen fielen uns glücklich um den Hals. Nur das laute Weinen der abgelehnten  KandidatInnen störte ein wenig die Atmosphäre. Aber selber schuld, hätten sie halt mehr gelernt. Dafür dürfen sie jedenfalls auch ohne weitere Tests die Grünen in Wien wählen. Ist das nicht schön?

1. Mai in Linz

Etwas unklar ist, was da am 1. Mai 2009 in Linz passiert ist. Sehen Sie selbst (der publicity-trächtige Titel des Videos stammt vom Youtube-User):

Meint der Mann im Video, dass er Exekutiv-Beamter ist, also ein Agent Provocateur, oder “nur” ein Eingeschleuster? Oder ist er Sachbearbeiter in einem Amt, was mit der Demo aber an sich nichts zu tun hat?

Die Polizei wird wohl damit rechnen müssen, dass ab sofort bei Demonstrationen mit Polizei-Konfrontation sämtlich Demonstranten brüllen werden: “Ich bin ein Beamter”. Das sollte für’s erste einmal die behördlichen Schläge stoppen.

Update: der Bericht einer Augenzeugin.